“It’s more fun in the Philippines!”

Kitesurfing auf den Philippinen. Das war unser Plan. Im März muss es sein, damit wir noch genug Wind haben – von dem soll es bis Ende diesen Monats gerade noch genug geben. Wir alten Profis. Und 2 Urlaubstage müssen eh noch verbraucht werden.
Nach unserem Japan Trip war keinem von uns nach großer Planung und wir wollten das Ganze so einfach und stressfrei wie möglich gestalten. Es kam zu einer Entscheidung zwischen zwei möglichen Optionen (an denen man “unseren” Sport ausüben kann): eine Insel mit wenig Tourismus und eine Insel mit viel Tourismus. Letztendlich dachten wir, ein wenig Gesellschaft wäre doch nett. Und wer mag schon unberührte Natur. Unser Ziel: Boracay, das “Mallorca” der Philippinen. Nunja, nicht ganz…

Los geht es pünktlich um 2 Uhr Nachmittags, unsere koreanischen Arbeitstiere noch am Schuften, wir auf dem Weg zum Flugzeug. Eine Nacht werden wir in Manila verbringen, bevor die Reise am Nachmittag weitergeht nach Boracay – genauer im Flugzeug nach Kalibo, weitere 2 Stunden mit dem Bus zum Hafen in Caticlan und mit dem Schiff zur Insel. Manila, müssen wir gestehen, hat uns ein wenig schockiert. Nach dem friedlichen Korea wurden wir im Chaos zwischen korrupter Polizei, Prostitution, Bettelei, Elektroshocker- und Viagra-Händlern ausgespuckt. Ok, vielleicht haben wir den falschen Stadtteil ausgesucht – Manila hat jedoch im Allgemeinen nicht den Ruf, die schönste Stadt der Welt zu sein. Uns war es jedenfalls schnell zu viel. Nach einer Beihnahe-Festnahme von “Fake”-Polizisten (wie ich dachte, aber unrecht hatte) wegen Biertrinkens auf der Straße sind wir lieber schnell im Bett verschwunden. Auf dem Flughafen in Manila treffen wir noch zwei (sagen wir mal vorsichtig – etwas einfache) Schweizer vom Vorabend wieder, die uns mit den Worten gehen lassen: “Ah, Boracay, na dann könnt ihr doch gleich nach Mallorca fliegen.” Wir haben ein schlechtes Gefühl, zu oft wurden uns schäbige Geschichten von der Insel erzählt. Aber auch Gutes dann und wann.

Die Busfahrt vom Flughafen zur Insel, die man spart wenn man einen näheren aber teureren Flughafen ansteuert, war es jedenfalls schon einmal wirklich wert. Nicht auf Grund beeindruckender Landschaft, aber um einen Eindruck vom ländlichen Leben hier zu gewinnen, den man auf der Insel so nicht bekommen hätte. Ich fühlte mich (auch schon in Manila) sehr stark zurückversetzt in die ärmeren Gegenden unserer Südamerika-Reise. Und viele positive Erinnerungen kamen dabei hoch. Irgendwie hatte ich es auf den Philippinen jedoch weniger arm erwartet als es tatsächlich ist, aber ich hatte mich vorher auch nur wenig informiert. Hauptverkehrsmittel sind hier motorisierte Tricycles (wie auch im Dschungel in Peru), die von bis zu 7 Mann besetzt werden können. Und in Manila sind es Jeepneys, individuell gestaltete bunte Busse auf Basis von Jeeps – deren System für Fremde nicht ergründbar scheint. Eigentlich genau wie die Busse in La Paz.

An jeder Ecke ein Feuer, ein brennender Grill. Es ist schwül-warm, im Bus klimaanlagen-kalt. Jeder Philippino der kann, macht einen kleinen Laden am Straßenrand auf und verkauft Drinks oder Snacks. Oder fährt Tricycle-Taxi. Oder sortiert Getreide am Straßenrand. Alles wirkt gefährlicher als erwartet, am Hafen von Caticlan fühle ich mich zum ersten Mal seit langem so, als sollte ich meine Wertsachen im Blick behalten. In kleinen lauten Booten voll mit Philippinos geht es schließlich auf die Insel. Überhaupt, was machen die ganzen Einheimischen hier auf Mallorca?! Es riecht nach kaltem Rauch und warmer, fischiger Seeluft. Eigentlich stinkt es. Auf der Insel geht es in ein Shuttle und zu unserem ersten Hostel. Die Straße ist voll mit Tricycles, es ist laut, hektisch und stinkt. Auch das Hostel liegt hinter einem dunklen, dreckigen Pfad und der erste Blick auf die anwesenden Gäste war nicht gerade vielversprechend – alles voll mit Amis, dachten wir. Nicht ganz das, was wir erwartet hatten. Aber wir sollten eines Besseren belehrt werden.

Auf der Hinfahrt zum Hostel haben wir einen außergewöhnlich netten Ami aus New York kennengelernt, Dave, mit dem wir bis zum Ende unseres Urlaubs immer wieder zusammen etwas unternommen haben. Er war “auch” zum Kitesurfen dort. Ein paar Deutsche (die wir auf Reisen sonst ja lieber meiden), haben uns direkt nach der Ankunft zu einem Trip zum “Ariels Point” am nächsten Tag überredet. Einen Tag lang Freigetränke, Mittagsbuffet, eine Bootsfahrt, Cliffjumping von bis zu 15 Metern, Kayaking, Schnorcheln. Ok – warum nicht. Der Trip stellte sich als ziemlich großartig heraus, ich hatte kräftig Spaß am Hüpfen und Bier trinken.
Außerdem stellten wir bald fest, dass wir unglaublich nah am White Beach wohnen, der zwar nur wenige Meter von der Straße entfernt ist, aber trotzdem eine beeindruckende Ruhe ausstrahlt – trotz vieler Bars und Restaurants. Aber einfach kein Vergleich zum ungeschminkten “Hinterland”. Hübsch gestaltete Strandbars, Restaurants mit Tischen im Sand, Kerzen, Live-Musik (erstaunlich gut), Sandburgen – wirklich nett. Boracay hat den gerade erwähnten White Beach, ein ewig langer Strand mit Promenade, an denen Restaurants, Bars, “Clubs”, kleine Geschäfte und Hotels angesiedelt sind. Es ist immer Windstill und heiß. Trotzdem ist dies der beliebteste Ort bei den meisten Gästen. Auf der anderen Seite ist der Bulabog Beach, nur 10 Minuten zu Fuß entfernt, ein schmaler Strand (bei Hochwasser so gut wie gar kein Strand), an dem fast immer eine steife Brise weht und es deshalb einfach sehr angenehm ist, sich dort aufzuhalten. Im Norden der Insel ist der Puka Shell Beach, ein sehr hübscher und ebenfalls ziemlich geräumiger Strand, der auf Grund seiner Lage nur vergleichsweise wenige Menschen anlockt und daher sehr ruhig ist. Das Wasser ist türkisblau, algenfrei und tief – man kann hier hervorragend Schwimmen. Des weiteren gibt es noch ein paar kleinere Strände, an denen wir aber nicht waren. Es gibt auch einige Hotels abseits der Hauptstrände, man findet also seine Ruhe, wenn man mag. Einen Teil der Insel haben wir am zweiten Tag im Rahmen eines ausgiebigen Spazierganges zu Fuß erkundet. Gefunden haben wir dabei zum Beispiel einen Vergnügungspark aus vergangenen Zeiten, unzählige asiatische Pärchen auf langsamen ATVs, eine riesige Kugel, in der man den Berg herunterrollen kann und einen großen Müllberg (an dem man als Tourist leider eine Mitschuld trägt). Aber entgegen aller Annahmen und Befürchtungen: Boracay schien uns extrem sicher, wir hatten nicht einmal vor Diebstahl sonderlich Angst. Meine Vermutung ist, dass alle am gleichen Strang ziehen und ihre Haupteinnahmequelle – den Tourismus – nicht durch einen schlechten Ruf gefährden wollen. Außerdem ist zu erwähnen, dass es von fliegenden Händlern, Wassersportaktivitäten-Anbietern, Massagen, Prostituierten, … nur so wimmelt, es aber NIE aufdringlich wird. Ein freundliches: “Nein Danke!” ist immer genug, um das (verlockende) Angebot auszuschlagen.

Nun zu unserem eigentlichen Vorhaben: Kiten. Nach der dritten Nacht im Frendz Hostel, wo wir nun genug “Frendz” gefunden haben, um Abends noch einmal für ein Bier wiederzukommen, sind wir an den Kite-Beach umgezogen. Der Wind sollte an diesem Tag passen (es war leider schon das Ende der Saison und daher etwas weniger Wind als erhofft) und wir liehen uns Material. Lang, lang ist’s her… Der Spaß hält sich leider in Grenzen, wir haben beide mehr zu kämpfen als dass wir fahren. Ich hole mir dazu einen fetten Sonnenbrand auf meinen Armen. Gott sei Dank hatte ich ein T-Shirt an!! Und Creme mit LSF 60. Wer weiß, ob der Arm sonst noch dran wäre. Ok, Äquatorsonne, war ja klar. Trotzdem, das war es erst einmal mit Sonne und so. Kite-Urlaub. HAHA. Aber wir haben hier ja noch mehr zu tun. Ich fokussierte mich nun ab sofort etwas mehr auf die Nacht (die Nacht war mein Freund, mehr als sonst). 3 Tage später haben wir es dann doch noch einmal probiert, dieses Kiten. Zu verlockend sah es aus, dieser wilde Ritt im Meer. Aber wir sind nun halt keine Beach Boys. Besser nochmal in Dänemark üben gehen. Trotzdem: Was für ein Panorama. Türkises Wasser, Palmen, Wind, (fast) stehtiefes Wasser, … Es ist schon zurecht eines der Top-Reviere in Asien.

Ansonsten verbrachten wir viel Zeit mit Müßiggang, trafen nette Menschen: Italienische Doktortitelanwärter, Holländische Anwälte auf Sabattical, Deutsche Ingenieure, Syrer auf Freigang, Koreanerinnen im Philippino-Rausch, Philippinas im Touristen-Rausch, stark angetrunkene Japan-Amerikaner und Kanadier, zwei Finnen, …

Ein paar positive Worte zu Korea an dieser Stelle: wir haben das Essen vermisst! (Ok, es gäbe auch koreanische Restaurants hier.) Aber das Essen der Philippinos ist schwer und nicht so bekömmlich, wie in Korea. Es wird viel gegrillt, es gibt Eintöpfe und viel Fleisch. Dafür kann man allerdings unglaublich günstig Essen, wenn man die Einheimischen-Restaurants aufsucht. Und man gönnt sich so noch eine Portion “Kultur”, wenn man sich nicht die ganze Zeit in den Touristenbereichen aufhält. Unser späteres Stammlokal hatte sogar noch eine weitere Einnahmequelle in Form eines Quasi-Bordells für die Kellnerinnen. Hat aber ein wenig gedauert, bis wir das kapiert haben. Wir sind halt doch noch zu naiv für diese Welt. Aber das Adobo und die Fajitas dort… Einfach zu lecker, um deshalb nicht wiederzukommen…

Also, Mallorca – Nein, das trifft es wirklich nicht. Kein Bierkönig weit und breit. Sicher, es wird schönere und unberührtere Ecken geben auf den Philippinen. Vielleicht sind dort auch die Meeresschildkröten, die wir so gerne gesehen hätten. Aber Boracay bietet viel – und ich würde es jederzeit wieder tun.

Soju Island

Über unseren Freund Nam Kim – das ist Udos und mein Lieblingskoreaner! – den wir über das Klettern von KRISS kennen (und mit dem man hervorragend guten Whisky trinken und gute Musik hören kann) wurden wir an den KRISS Hiking Club verwiesen, der Ende Februar eine Wochenendtour nach Jeju-do machen wollte. Jeju-do ist die größte Insel Südkoreas und liegt etwa 80-100 km vor Koreas Südküste. Bekannt ist Jeju für “it is so beautiful – you HAVE to go” (Mr. Hur) und die Tatsache, dass viele koreanische Pärchen dort ihre Flitterwochen verbringen. Wir konnten beides nicht wirklich nachvollziehen. Aber man muss sagen, der Hike auf den höchsten Berg Südkoreas, den Halla-san mit ca. 1900 m, war schon schön. Wir sind aber halt immer noch nicht in den Alpen. Was ich besonders schade finde ist, dass es auf Jeju wieder einmal aussieht wie in jeder anderen koreanischen Stadt. Diese hässlichen Wohnblocks machen vor nichts halt. Nicht einmal vor Fähre fahren.

Chronologisch: Samstag morgen um 3:50 (ja, genau) soll unser Bus Richtung Südküste abfahren. Da der Bus technische Probleme hatte, kamen wir in den Genuss uns – diesmal nüchtern – ein wenig am üblichen koreanischen Wochenendvergnügen zu erheitern. Samstag morgens ist ja hier Highlife in Tüten und man kann herrlich viele sturzbetrunkene Menschen beobachten. Gegen 8 Uhr waren wir dann in Mokpo und es gab Frühstück. Fisch, Reis und koreanische Beilagen. Muss man mögen – um diese Zeit. Dann ging es auf die Schnellfähre. Diese verwandelte sich innerhalb von 15 Minuten zu einer schwimmenden Bar. Es wurde an jeder Ecke ein Bier aufgemacht. Manche gönnten sich auch schon einen Soju. Udo und ich hatten uns fest vorgenommen, dieses Wochenende auszuruhen und keinen Alkohol zu trinken. Wir dachten, ein Wanderausflug wäre dafür ja gut geeignet.

Angekommen auf Jeju ging es erst einmal zum Mittagessen (man isst hier die ganze Zeit). Es gab: FISCH! Klar… Und Soju. Ich habe mich aber immer noch zurückgehalten. Was dann folgte, war eine kleine Überraschung für Udo und mich: Der Tagesplan wurde ein wenig abgeändert und wir fuhren nach “U-do”. “Cow Island” (sie sähe auf der Karte betrachtet so aus wie eine liegende Kuh!?). Udos Insel. Er dachte er würde sein Schloss dort finden, das vor langer Zeit für ihn erbaut wurde. Aber leider gab es nur schroffe Klippen und wenig Besonderes. Da haben wir uns dann doch ein Bier gönnen müssen – auf den Schreck. Beim warten auf die Fähre zurück kam es dann, dass wir mit unseren koreanischen Freunden im Kiosk gewartet haben. Das war blöd. Die hatten natürlich sofort die Gelegenheit gesehen und wir haben uns mal schnell zu sechst 6 Flaschen Soju gegönnt, Nachmittags um halb 4. Der Soju hier, muss man wissen, ist ein ganz besonderer. Der gute Halla-san Soju. Den gibt’s nur hier, wirklich. Und schmeckt keinen Meter anders! ;) Weiter ging’s zu einer Führung in einem historischen Dorf (ich dachte erst wir schlafen in Hütten). Dies wurde dann abgerundet durch eine Werbeveranstaltung für Saft und Kekse.

Aber der Spaß ging weiter: Unser Hotel war eine Außenstelle von Satan. Die Barbaren (alle in bunter Wanderkleidung, das beste Equipment zu haben ist hier wichtig) stürzten sich über das Buffet, tranken Soju, lärmten und wuselten. Es war dreckig, es miefte. Ich wollte gern schlafen und an etwas schönes denken. Aber so kam es, dass wir noch “etwas trinken” gehen mussten (man will ja nicht unhöflich sein, auch das muss man wissen – wer Essen oder Trinken ablehnt ist unhöflich). “Etwas trinken” hieß dann “etwas essen und dazu etwas trinken”. Dabei waren wir alle mehr als satt. Es gab frisch geschlachtetes Sashimi (ja, Fisch…) und wie immer alle erdenklichen koreanischen Beilagen. Uuuuuund: Soju.

Geschlafen haben wir aber gut, bis es dann um 5 weiterging. Heute war die Besteigung des Vulkans Halla-san geplant. Von 700 m auf 1900 m. Wir hatten 8 Stunden zur Verfügung (Udo und ich waren aber weitaus schneller, wir waren aber auch nüchtern). Die Besteigung hat Spaß gemacht. Leider ist man aber nie allein. Es sind wirklich viele Koreaner unterwegs. Die bunten Zwerge. Erwähnenswert ist noch eine Entdeckung, die wir hier gemacht haben: So genannte “Eisen”, Schneeketten für Schuhe. Die haben hier alle (wir auch) und sind wirklich praktisch, wenn man in Schnee und Eis wandern möchte. Oben angekommen haben wir auf den Rest unserer Gruppe gewartet und etwas gegessen. Auch spannend: Die Koreaner tun so als hätten sie eine Küche. Es gibt hier “Beutelkocher”, Plastiktüten in der mit Chemie Wasser erhitzt werden kann. Und natürlich gibt es Reis und so weiter (Auch Soju, klar). Ich bevorzuge dann doch die Wurststulle. Kleinen Cognac haben wir uns dann doch noch gegönnt oben. Und weiter!

Unten angekommen gab es ein Zertifikat für Udo und mich ;) 1200. und 1201. Ausländer, die offiziell den Berg erklommen haben. Achso: wir haben an dem gesamten Wochenende nicht einen einzigen anderen Ausländer getroffen! Das war selbst für Korea seltsam. Auf dem Rückweg zur Fähre gab es dann noch einmal Essen. Fisch! Und Soju. Auf der Fähre wurde es dann lustig. Hier wurde sich jetzt der Rest gegeben. Bis einige kaum mehr stehen konnten. An Deck saßen Frau und Mann zusammen, (fr)aßen mitgebrachte koreanische Speisen und tranken Soju. Und sangen. Ich wundere mich, dass keiner über Bord gegangen ist!

Wir hatten trotzdem ein wirklich schönes und anstrengendes Wochenende (mit wenig(?!) Alkohol). Wie ihr auf den Bildern seht, ist es ja auch an manchen Flecken ganz schön. Aber ich sollte lernen, auch mal die Kamera herauszuholen, wenn ich etwas doof finde!! :) PROST! WII-HAAA-JOOOOOO…

Busan

Zur Verabschiedung unseres Italieners Vincenzo, der endlich in sein lang ersehntes Land zurückfahren darf, wollten wir ein Wochenende in Busan verbringen. Busan ist bekannt für Meer, Strand, “entspannte Leute”, Fisch, … Fisch? Gibt es den in Korea nicht sowieso überall in rauen Mengen?!

Ok, fassen wir uns kurz. Was haben wir erlebt: bei schönstem Wetter am Samstag haben wir eine kleine Tour am Wasser unternommen. Haeundae-Beach ist ein extrem populärer Strand am Stadtrand von Busan, der im Sommer – so wurde uns berichtet – nicht begehbar ist, da sich die Koreaner dort Stapeln. Wir hatten unser Hostel für die erste Nacht jedoch dort in der Nähe gebucht, da es auch einige Nachtlokale in dieser Gegend gibt. Das gehört ja zu einem Städtetrip nun einmal auch dazu. Auf Grund der milden Temperaturen hatten wir jedoch genug Platz am Strand, um Schabernack zu treiben. Im Anschluss (wir hatten einen Koreaner mit Auto dabei) sind wir noch zu einem Tempel gefahren. Der war ganz schön. Zumindest die Lage an den Klippen. Seht selbst.

Samstag Abend haben wir dann im 27. Stock des “Seacloud” Hotels am Haeundae-Beach verbracht. Eine ebenfalls mitgebrachte wahnsinnige Koreanerin hat uns dort ein Hotelzimmer gebucht. Lange Geschichte, würde aber niemand verstehen, wenn ich sie erzählen würde. Wir auch nicht. So haben wir also zu 7. in einem geräumigen Doppelzimmer verbracht. Aber der Ausblick war klasse. Dann haben wir Fisch gegessen. Und Krabben gesehen. Und einen Schmetterling! Und dann war Nacht.

Sonntag war das Wetter leider nicht mehr so kaiserlich. Trotzdem wollten zwei von unseren Jungs gern Baden. Ok. Haben wir erlaubt. Erkältet haben sie sich nicht. Der weitere Tagesplan (Daniel war schon mal hier und hat unseren Tour-Guide gemacht, wozu die beiden Koreaner nicht in der Lage waren) sah vor, ins Stadtzentrum zu fahren. Dort wartete ein Aussichtsturm und ein Fischmarkt auf uns. Der Aussichtsturm war ein wenig altmodisch, aber hoch. Und bot Ausblick auf das Busan fernab des Strandes. Busan ist nämlich auch noch groß (wir haben eine Stunde im Bus verbracht, one-way). Und nicht überall so schön wie am Strand. Aber auch hier, seht und staunt! Der anschließende Besuch im Fischmarkt hat mir ein wenig den Appetit verdorben. OK, es war ziemlich sauber und ganz anders als in Tokyo, aber die “Leckereien” dort und die vor unseren Augen massenhaft erstochenen und zu frischem Sashimi verarbeiteten Fische, waren mir irgendwie zu viel auf meinen flauen Magen. Ich ess’ lieber Wurst mit Gesicht! Dann sind wir nach Hause.

Lustig wars – Wirklich! Guten Flug, Vince!

Yong Pyong Ski Resort

Ich hatte ja extra meine Skihose mitgenommen nach Korea. Da mussten wir doch zumindest ein einziges Mal auf den Berg fahren. So kam es, dass eines Tages im Dezember zufälligerweise unser Chef aus Deutschland meinte, wir sollen doch mal einen Betriebsausflug ins Skigebiet machen. Einer seiner koreanischen Businesskontakte könne uns helfen, eine Unterkunft zu finden. Da dieser Kontakt der Chef unserer koreanischen Sales-Agentur ist und Koreaner ja gerne einladen, entwickelte sich diese “Hilfe” letztendlich zu einem Rundum-Sorglos Skiwochenende für umsonst. Super. Aber ein paar Details:

Wir waren in Yong Pyong, kurz vor der Ostküste in etwa auf der Höhe von Seoul und einem der Austragungsorte der Olympischen Winterspiele 2018 – darauf wurden wir mehr als nur einmal stolz hingewiesen. Die Koreaner lieben es, Werbung in eigener Sache zu machen – und waren halt wohl noch nie in den Alpen….. Aber tatsächlich konnte man dort recht schön fahren. Es war Arschkalt (zwischen -10 und -20 °C) und sonnig. Der Schnee war klasse und ich habe sogar ein paar anspruchsvolle Strecken finden können. Aber es bleibt halt Korea. Aus Lautsprechern an den Liftmasten trällert schreckliche koreanische Musik, das “Skidorf” sieht aus wie jede andere koreanische Stadt mit allen bekannten architektonischen Raffinessen und Schönheiten und die Leute, naja, lassen wir das :) Leider hat sich unsere Gruppe etwas verteilt, da wir doch sehr unterschiedliche Niveaus hatten, aber am Ende hatten doch alle ihre Portion Spaß. Und Udo ist nicht ‘mal hingefallen. Keine Knochenbrüche, keine Schürfwunden. Wirklich. Tapferer Junge!

Von unserer Sales-Firma waren zunächst 2 Leute mit, einer ist mit uns ein wenig gefahren und der andere war ausschließlich zu unserer Belustigung dort. Er hat uns brav die Leihausrüstung und den Skipass für 2 Tage bezahlt, uns zum Mittagessen ausgeführt und Abends wieder eingesammelt. Auf meine Frage, was er denn so mache wenn er bei dem klasse Wetter schon nicht Ski führe sagte er: “I am just sitting inside, I got a really nice smartphone game! Relaxing, you know.”

Samstag Abend waren wir dann von dem Chef der Firma und seiner Frau zum Abendessen eingeladen. Wir waren in einem BBQ Restaurant und hatten wirklich ausgezeichnetes Rindfleisch. So zart und schmackhaft. Das muss man ihnen lassen, das Rindfleisch hier zum Teil ist spitze. Die üblichen Soju-Trinkrunden später lud uns der gute Mann noch zu sich nach Hause ein – zum Cocktail trinken. Dort erfuhren wir eine kleine Überraschung: er besitzt direkt neben der Pension, in der wir untergebracht waren, ein ziemlich neues Einzelhaus im modernen Stil mit wirklich ganz hübscher Einrichtung. Das sieht man hier selten. Uns wurden verschiedenste leckere Rotweine, von ihm leidenschaftlich zubereiteter Gin Tonic und eine herrlich erfrischende Auswahl an Snacks angeboten: leckere Trauben, Käse (!!!) und Cracker, Tomate mit Mozzarella… Sehr ungewöhnlich hier! Seine Frau hat artig alles zubereitet und serviert und er hat uns stolz sein edles Heim präsentiert und das eine oder andere lobende Wort für die “so energiegeladene” koreanische Kultur gefunden. Wir hatten einen sehr schönen Abend. Bis er dann urplötzlich meinte, oh, ich glaube ihr müsst alle sehr müde sein, lasst uns den Abend beenden. Dabei hatten doch alle gerade noch ein frisches Getränk bekommen?! Naja, es gab dann halt noch eine Flasche Rotwein mit für den Heimweg. Auch unsere Unterkunft war für die hiesigen Verhältnisse wirklich nett gemacht. Wir hatten ein Dachgeschosszimmer mit Schlaf-Empore und geräumigem Ess/Wohnbereich. Das Frühstückscafé war ein wenig kitschig, aber gemütlich. Und es gab gutes Frühstück.

So wurde dieses Wochenende, das gleichzeitig auch Ivans Abschiedswochenende war, für uns 3 zu einem durchweg positiven Erlebnis und hatte die eine oder andere positive Überraschung parat. Trotzdem fahre ich nächstes mal lieber wieder in die Alpen, da fühlt es sich doch irgendwie alles “authentischer” an! :)

Big in Japan – Teil 3

Tokyo ist eine große Stadt. Das wussten wir. Und dass 2 Tage wenig sind, um sich alle 13 Millionen Japaner dieser Stadt anzugucken, wussten wir auch. Trotzdem kann man ja die Hauptstadt nicht auslassen, wenn man schon mal da ist. Daher ging es von den Makaken in Nagano am Samstag Morgen direkt weiter im Shinkansen Richtung Tokyo. Hier hatten wir aus der Not ein billiges Hotel gebucht. Ein Ehebett mit nur einer Decke und eine kleine Zustellpritsche trübten etwas die Tatsache, dass man vom Bett aus allerlei Knöpfe drücken konnte, die lustige Dinge verursacht haben und man sich im Bad ein wenig wie in einem Spa gefühlt hat. Das Wetter war klasse und wir machten uns auf, die Stadt zu erkunden. Im Grunde wollten wir in Tokyo versuchen, hauptsächlich den “Vibe” einzufangen. Unsere Sehenswürdigkeiten waren also eher die verschiedenen Stadtteile.

Das erste Ziel war jedoch, hoch hinaus zu kommen. Viele verschiedene Möglichkeiten bieten sich, Tokyo von oben zu betrachten. Doch die meisten Optionen davon sind einfach nur teuer. Oder sollte man 20 Euro zahlen, nur um einmal auf einen Turm fahren zu dürfen? Wir bekamen den Tipp, auf das Metropolitan Government Building zu fahren – dies ist umsonst und eines der höchsten Gebäude in Tokyo. Leider erfuhren wir hier jedoch zum ersten Mal, was mit der Aussage in Reiseführern gemeint war: “zu den Neujahrsferien haben viele Museen und Sehenswürdigkeiten geschlossen.” Schade! Insgeheim hatte ich ja gehofft, von dort aus doch noch die Chance zu bekommen, den Mt. Fuji zu erspähen.

Nach einer beinahe gescheiterten Schnitzeljagd zu einem Mini-Kebab für den kleinen japanischen Magen und damit verbundenen Streifzügen durch den Stadtteil Shinjuku machen wir uns auf den Weg nach Akihabara. Dieser Stadtteil wird auch “Electronic Town” genannt. Hier findet man alles, was das digitale Herz begehrt. Riesige Geschäfte mit Neuware (u.a. wieder einmal Yodabashi Camera), jede Menge gebrauchte Ware von einer unendlichen Zahl an Händlern, DVDs und Videospiele (die oberen Stockwerke bieten eine gigantische Auswahl an “Erwachsenen-Literatur” japanischer Herkunft und sind recht gut besucht), Hobby(Sammler)geschäfte mit einer enormen Auswahl an Modellen, Sammelkarten, Puppen,… und last but not least – Spielhöllen. Japaner lieben Spielhöllen. Und wenn ich Hölle sage, dann meine ich Hölle. Die harmloseste, aber sehr beliebte Variante ist das altbekannte Jahrmarkt-Spiel, bei dem man mit einem absichtlich behindert programmierten Greifer einen Teddybär aus einer Glaskiste fischen soll. Davon gibt es hier ganze Stockwerke voll: ein Automat neben dem nächsten – und die Menschen vergessen, dass sie den Gegenstand ihres Begehrens nebenan im Geschäft schon längst hätten Kaufen können, bis sie nach der 25. Münze endlich eine Roboterpuppe oder ähnlich schräges in der Hand halten. Stufe 2 und 3 des Spiel-Wahnsinns sind in etwa gleichauf, ich weiß nicht was schlimmer ist: Daddelautomaten wie in Las Vegas – mit dem Unterschied, dass die “Währung” kleine Metallkugeln sind, die man in den Automaten einwirft. Diese Kugeln machen Lärm. Ohrenbetäubenden Lärm. Und die Menschen haben kistenweise Kugeln. Und Rauchen gern und viel. Wir sind nach 5 Minuten am Ende mit den Nerven dort drinnen. Oder vielleicht doch die Arcade-Games?! Bei schönstem Wetter sitzen die Japaner am Samstag Mittag drinnen, sitzen vor flimmernden Kisten mit Retro-Spielen wie Tekken oder Space Ship Shooter Games und rauchen. Es ist wieder einmal unendlich laut, stickig und nervös. Man kann als Normalsterblicher auch hier nur kurz verweilen; ich frage mich wie lange die Japaner dort sitzen. Achja, und es ist ebenfalls extrem gut besucht und das “Niveau” vieler Spieler ist hoch. Es ist schon witzig zu beobachten, wie flink die “Pro-gamer” auf die Tasten einschlagen und dabei wieder einmal nur knapp – aber erfolgreich – dem nächsten Asteroiden ausweichen können.

Wir gönnen uns eine Pause vom Trubel und Essen eine leckere Suppe. Ganz schön stressig, dieses Tokyo. Auf dem Weg zu unserem eigentlichen Abendessen, welches Udo für uns ausgesucht hat, wollen wir noch im Stadtteil Asakusa vorbeischauen. Ein bei Touristen recht beliebter Stadtteil mit vielen kleinen Restaurants und Cafes, Shopping und hübschen Gebäuden (siehe Fotos). Wir hatten überlegt, von hier aus noch eine Bootstour zu starten, aber es passte weder von der Route noch von der Zeit zu unseren weiteren Plänen und daher haben wir dann – doch noch “hoch” hinaus – das 8. Stockwerk des nagelneuen Tourismuszentrums bestiegen und noch ein paar Eindrücke und Fotos mitgenommen. Wir entscheiden uns, zu Fuß zum Restaurant zu laufen, wieder einmal ein ziemlicher Marsch. Das mögen sie, ze Dschermanz. Der weite Weg zahlt sich aus: frischer Fisch zum selber Angeln, direkt vom Tisch aus! Wir sind “super excited” und losen aus, wer den ersten Fisch fangen darf. Schnell entbrennt die Diskussion um das richtige Opfer: “Nein, nicht den, der sieht krank aus. Nimm diesen! Nein, warte, dieser hier drüben ist viel dicker!!”. 1,5 Stunden später angeln wir zu dritt und hoffen, endlich die kranke Sau zu erwischen.

Überfütterte, verwöhnte Gören. Letztendlich rettet uns Udo “die Angel” von Öhsen doch noch den Abend und wir bekommen einen kleinen schmackhaften Happen zu Essen. Immer noch nicht demotiviert gehen wir sogar noch in die zweite, ähnlich ernüchternde Runde. Letztendlich entscheiden wir, dass weniger ja meistens mehr ist und verlassen den Teich. Es war mittlerweile schon knapp 11 und wir hatten ja noch mehrere Programmpunkte. Die “Rainbow Bridge” und Shinjuku bei Nacht (bekannt für Nachtleben und Rotlicht). Ersteres war “nice to see” und bescherte uns dazu noch einige nachhaltig schockierende Erlebnisse mit betrunkenen Menschen. Schweizer denken nicht nur, sie hätten Ricola erfunden, sie nehmen den Österreichern wohl auch ab, RedBull verleihe Flügel. Shinjuku hätten wir uns sparen sollen, wirklich unangenehm bei dem sonst so “zärtlichen” Japan – vor allem nüchtern. Aufdringliche Koberer, die für erotische Dienstleistungen und “Szene-Bars” warben waren wirklich das letzte, das ich nach diesem wirklich anstrengenden Tag gebrauchen konnte. Schnell ins Ehebett.

Für unseren zweiten Tag in Tokyo war eigentlich geplant viel Zeit damit zu verbringen, die japanische Jugendkultur, genauer gesagt Anhänger von “Cosplay” bzw. “Lolita”-Kult zu beobachten. Sonntags bot sich als Wochentag dafür sehr gut an und wir wollten eh noch die Stadtteile besichtigen, in denen sich die “Szene” trifft. Leider mussten wir nach dem Aufstehen feststellen, dass wir nun unseren ersten ernstzunehmenden Regentag erwischt haben. Das wird wahrscheinlich nicht allzu viele Menschen dazu bewegen, geschminkt und kostümiert auf der Straße zu sitzen. Also fahren wir erst einmal zum größten Fischmarkt in Tokyo, um uns die Verkaufshallen anzuschauen und Sushi zu frühstücken. Die Idee hatten noch mehr Leute. Und Japaner lieben es, Schlange zu stehen. Mit dem Ergebnis, dass sich vor den geschätzt 50 verschiedenen Sushi-Restaurants auf dem Marktgelände jeweils eine Schlange mit einer Wartezeit von ebenfalls geschätzten 45 Minuten geformt hatte. Und es regnete. Da haben wir uns dann schweren Herzens auf visuelle Stimulation beschränkt und sind über den sich langsam zur Ruhe legenden Markt gelaufen. Das Geschäft hier läuft eher früh am Morgen ab, aber dann möchte ich als Tourist auch wahrscheinlich nicht im Weg stehen. Ziemlich eng und betriebsam. Und fischig. Und Touristen sind vor 9 auch gar nicht erlaubt, genau wie bei der großen Thunfischauktion am Morgen. Übrigens: Thunas sind ganz schön fett! Wie viel einer davon wohl wiegt?

Wir lassen es uns nicht nehmen und fahren trotz Regens noch nach Shibuya, dem Bezirk mit der wohl berühmtesten Kreuzung Japans, an der bei einem Umschwung der Verkehrsampeln die immer vorhandene Masse an Fußgängern die komplette Asphaltdecke bevölkert. Heute war weniger los. Dafür hatten alle einen Schirm dabei. Ansonsten gibt es hier viele junge Menschen und entsprechend viele Geschäfte, um sich mit der neusten Mode einzudecken. Ein bisschen so wie die Mö. Nur größer und nicht annähernd so spießig. In Harajuku sollten wir dann auf unsere Faschingsgesellschaft treffen, aber wie erwartet: heute eher ruhig. Statt zu gaffen haben wir uns dann halt noch einen ziemlich großen Schrein im Yojogi Park angesehen und uns im Anschluss zur letzten Etappe vor Silvester aufgemacht: Nara.

Nara ist eine kleine Stadt in der Nähe von Osaka und war im 8. Jahrhundert sogar einmal Japans Hauptstadt. Bekannt ist Nara vor allem für den Nara Park, eine große und sehr hübsche Parkanlage mit freilaufenden Hirschen und vielen Tempeln und Schreinen. Wir hatten eigentlich schon genug davon gesehen, auch die von allen so angepriesenen Hirsche hatten wir ja schon in Hiroshima erleben dürfen. Aber es schien am Ende doch verlockend, eine entspannte Wanderung im Park einzuschieben – und nur einen Katzensprung von unserer abendlichen Silvesternacht in Osaka entfernt zu sein. Belohnt wurden wir mit fantastischem Wetter, einem wirklich beeindruckenden “Great Buddha” im Todai-ji Tempel und der erhofften entspannten Atmosphäre. Zum Abschluss des Tages haben wir in ebendiesem Nara endlich noch unser lang ersehntes und fantastisch schmeckendes Sushi von einem der wohl längsten Conveyor Belts des Landes verzehrt. Sogar Ivan war überzeugt! ;)

Zurück in Osaka, von wo aus wir am nächsten Tag abreisen sollten, checkten wir in ein Capsule Hotel ein. Pro Stockwerk ein Raum, 100 Betten, aufgereiht wie in einem U-Boot. Jede Kabine mit Vorhang, Fernseher, Radio, Licht, Steckdose. Im obersten Stockwerk ein japanisches Bad mit heißem Onsen und Sitzduschen und nackten Japanern. Alles da was man braucht. Sollte man mal probiert haben. Wirklich.

Ich wäre ja am liebsten direkt zu den Feierlichkeiten übergegangen. Aber wir haben uns entschieden gemütlich (und sehr lecker – und dieses Bier….) Essen zu gehen und uns eine “Tempelshow” anzugucken. Mit Feuer. Und Laser. Und einem in diesem Jahr wegen Bauarbeiten verhangenen Tempel mitten in der Stadt. Aber es war trotzdem witzig, mal ein wenig anders dieses Jahr. Die Bahnen fuhren danach natürlich nicht mehr, auch wenn uns dies vorher versichert wurde. Wäre ja auch allzu praktisch gewesen, würden U-Bahnen an Silvester um halb 1 noch betrieben werden. Da mussten wir dann halt mal Taxi fahren. Autsch. Ca. 15 Minuten und 35 Euro später wurden wir in der Nähe unseres Ziels abgesetzt und stellten fest, dass wir nun viel zu wenig Bargeld dabei hatten. Das geht natürlich nicht. Japan ist teuer, aber hat wenig Geldautomaten. Und die wenigen verfügbaren sind an Silvester launisch. Durch Zufall treffen wir auf eine Gruppe junger Japaner und fragen nach einer Bank. “Oh, die sind heute alle zu. Das ist schwierig. Wie viel braucht ihr denn so?” “Naja, so 5000 Yen (50€) wollte ich holen.” Kurze japanische Besprechung. “Hier, wir geben euch das, werft mal alle was zusammen!” Wir wollten es zwar nicht annehmen, aber haben es am Ende doch getan, mangels Optionen. Aber mal eben 50 Euro geschenkt bekommen? Von Fremden? Diese Japaner, so nice. Frohes Neues!

Was bleibt zu sagen. Wir hatten eine super Zeit, wenn auch manchmal etwas stressig auf Grund des straffen Programms. Aber zum Entspannen hat man ja noch Zeit, wenn man Rentner ist. Japan ist wirklich sehr schön, es trifft alt auf neu, Tradition auf extreme Entwicklung. Besonders spannend ist der Kontrast zu Korea. Ich glaube, direkt aus Deutschland kommend hätte ich das Ganze nicht in der Qualität wahrgenommen, wie ich es jetzt konnte. Und ich möchte unbedingt noch einmal wiederkommen – die vielfältige Natur, die sich uns noch verborgen hielt, entdecken. Und Ivan möchte das noch mal mit seiner Frau teilen. Und Uwe, der reist ja eh gern.

Alle Bilder gibt es hier: Tokyo, Nara und Osaka Picasa-Album

Big in Japan – Teil 2

Eigentlich eher ein Zufallstreffer, dieses Hiroshima. Gesättigt von Tempeln und mit dem Gefühl, der erste Tag des Rail-Passes sollte uns ein wenig weiter tragen, als das ursprünglich angedachte Nara, setzen wir uns früh am Morgen in den Shinkansen nach Hiroshima. Unsere erste Fahrt. Wir sind allein in einem Wagen für ca. 100 Personen. Das hatte ich mir anders vorgestellt mit dieser “Hauptreisezeit”. Eigentlich wollte ich die ganze Zeit aus dem Fenster gucken. Aber die Sitze sind halt schon sehr bequem. Und der Zug fährt wie ein Ninja. Da wundert es nicht, dass ich mal kurz eingeschlafen bin. Als ich mal zwischendurch einen Blick werfen konnte, sah ich viele Industrieschlote und dichte Besiedlung. Achja, stimmt. Japan hat ja nicht nur diesen EINEN großen Namen (Samsung…), hier wird produziert! Habt ihr mal darüber nachgedacht, welche Marken alle Japanisch sind?????

Ein Augenzwinkern später (ich glaube es waren tatsächlich leider nur 1.5 Stunden) sind wir da. Irgendwie komisch. Hiroshima. Atombombe…. Naja, wird schon gehen, hier sind ja noch andere Leute. Wenn man in Hiroshima ist, kann man eine Sache jedenfalls nicht auslassen und das ist der Peace Memorial Park mit Museum und dem A-Bomb Dome. Auch wenn man noch so wenig Lust auf Museum hat, da sollte man mal durchgehen. Sei es nur, um ein bisschen “in Stimmung” zu kommen. Ich habe mehrere Leute weinen gesehen.

Trotzdem lassen wir uns ja von so etwas nicht den ganzen Tag verderben, sondern zollen unseren Respekt und zeigen unser Mitgefühl und schauen uns dann noch ein wenig den Park an und ich knipse ein paar Fotos.

Unser nächstes Ziel ist eine Insel in der Bucht von Hiroshima: Miyajima. Bekannt für ein großes Torii-Gate im Wasser, das in Zeiten von Niedrigwasser zu Fuß besucht werden kann und sich ansonsten im ihm umgebenden Meer spiegelt. Außerdem sollen uns freilaufende Hirsche und schöne Natur erwarten. In Anbetracht der stets knappen Zeit, versuche ich meine Reisegruppe dazu zu überreden, eine Direktfahrt mit dem Schiff zu buchen. Da diese jedoch 20€ one-way gekostet hätte und der längere Weg mit Zug und kurzer Fährfahrt gänzlich vom Rail Pass abgedeckt war, habe ich schließlich auch eingesehen, dass das keinen Sinn macht. Schnell noch einen wieder einmal extrem leckeren Kaffee in einem wirklich äußerst – darf ich dieses Wort benutzen ? – niedlichen Café getrunken und ab auf die Fähre. Mittlerweile war es ca. 15h, aber wir hatten super Wetter. Es war erstaunlich wenig los auf der Insel und wir konnten einige herrliche Fotos vom Schrein und dem Torii Gate schießen und ein paar Hirsche knuddeln.

Ich hatte vorher gelesen, man solle unbedingt auf den dortigen Berg hiken und es gäbe eine etwas anspruchsvollere, aber lohnenswerte Tour etwas weiter ab vom Hauptgeschehen. Nach diesmal erfolgreicher Überzeugungsarbeit meinerseits (es war zeitlich doch recht knapp, es wurde gegen 5, halb 6 dunkel) und Verniedlichungen des strapaziösen Anstieges ging es doch noch los auf den Berg. Ich hatte zufällig meine neue Stirnlampe dabei, das war letztlich das Zünglein an der Waage (Danke, Ursula ;) ). In einem durchaus strammen Tempo sind wir dann mal eben auf den Berg gehuscht und wurden belohnt mit dem fantastischsten Ausblick, den uns Japan auf unserer Route zu bieten hatte. Wir hatten herrliche Sonnenuntergangsstimmung mit tollem Licht. Außerdem waren wir fast alleine dort oben. Leider sind die Bilder nicht annähernd so gut geworden, wie es dort wirkte. Aber dann müsst ihr wohl selber mal hin. Schließlich hat es auf die Minute gepasst und wir waren genau so wieder unten, dass man auf eine Lampe verzichten konnte. 10 Minuten später hätten wir eine gebraucht. Nun sahen wir das nächste Geschenk, das sich uns durch den späten Antritt der Wanderung auftat: Der Schrein und das Gate angeleuchtet bei Nacht. Jetzt mit nur noch einer Handvoll Menschen auf der Insel. Wirklich besonders.

Der nächste Tag stand im Zeichen des Aufbruchs. Bye, bye, Osaka. See you in 6 days. Eigentlich wollten wir noch zu einem Ort mit dem Namen Mt. Koya, wieder ein mystischer Ort mit Tempel auf dem Berg. Da wir aber genug Stress hatten jeden Tag, alles zu sehen was wir uns vorgenommen haben, wurde dies kurzerhand gecancelt und wir entschließen uns direkt zu unserem nächsten Ziel zu fahren: “Hakone”. Der Plan war es, von diesem sehr populären Tokyoter Nature-Getaway bei einem Tageshike den Mt. Fuji zu bestaunen. Auf dem Hinweg hatten wir noch die Gelegenheit, einen kurzen Spaziergang zum Meer zu machen – bei strahlendem Sonnenschein. Mal wieder klasse. Weil wir ja nun etwas früher dran waren als geplant, war dies auch der Ort, an dem wir endlich mal in ein Onsen gehen wollten. Onsen sind Naturbäder, gespeist aus heißen Quellen, die es in Japan überall gibt. Aber wir wollten gerne einen schönen Onsen sehen. Bei der Auswahl eines Bahntickets (hier galt unser JR Pass leider mal nicht), haben wir zufällig eine Japanerin am Schalter gehabt, die perfekt Englisch und fast ebenso gut Deutsch sprach. Und sie hat uns den gleichen Onsen empfohlen, den ich auch im Internet ausgesucht hatte: Tenzan Tojigo. Leider konnte ich hier keine Bilder machen, nur so viel sei gesagt: wieder einmal eine hervorragende Wahl. Lauter nackte Japaner, mehrere warme bis unendlich heiße Bäder, alles draußen, eine Dampfsauna, schöne Vegetation… Das hatte Stil.

Gut durchgegart ging es dann in unser ziemlich abgelegenes Ryokan (ebenfalls mit einem Onsen – diesmal aber mit milky white water …), das von einem ziemlich verrückten Japaner geführt wird, der permanent “Dankeschön” gesagt hat. Von hier aus sollte es so früh wie möglich weitergehen, denn der Mt. Fuji, so wurde uns geflüstert, ist ein schüchternes Wesen. Fast immer in Wolken verhangen, bietet sich besonders am Vormittag die beste Chance, ihn zu sehen zu bekommen. Daher gingen wir schon gegen halb 7 auf die Pirsch. Zunächst wollten wir aus Stolz mal wieder keinerlei Verkehrsmittel benutzen, haben jedoch in letzter Instanz noch eine kleine Strecke mit dem Bus zurückgelegt. Gott sei Dank, das war eh schon wieder weit alles :). Schließlich waren wir noch vor der ersten Seilbahn oben – und was war? Ein riesiger Parkplatz, mehrere Baustellen für neue Restaurants und – Nebel. Da haben wir erst mal Eier gegessen. Eine lokale Spezialität, die gibt es nur hier oben. Owakudani Kuro Tamago – Black Eggs. Gekocht im Schwefel-Wasser der vulkanischen Quellen hier oben, nimmt die Schale eine schwarze Farbe an. Und jedes gegessene Ei verlängert einem das Leben um 7 Jahre. Allerdings darf man das wie immer nicht übertreiben, mehr als 2 gelten als höchst unratsam. Wahrscheinlich hatten die Japaner Angst, dass der Schwindel auffliegt, wenn jeder mal eben 10 Eier isst und doch irgendwann stirbt.

Nach genauer Beobachtung des Wetters haben wir es dann doch noch gewagt und unsere Wanderung gestartet. Durchaus in dem Bewusstsein, dass es wohl kaum noch einen Blick auf den Mt. Fuji geben wird. Trotzdem wurden wir nicht gänzlich enttäuscht und durften ca. 3 Stunden durch bizarre Winterwelten laufen und uns auf rutschigen Pfaden die Beine vertreten. Und wir waren wieder einmal fast alleine. Schön.

Weiter geht’s. Kein Mt. Fuji. Naja, wir wollen ja alle noch mal wiederkommen nach Japan. Next time. Jetzt stehen erst einmal die Affen an. Nein, ich rede nicht von den Koreanern. Wir wollen in die ehemalige Olympiastadt Nagano, genauer zum Jigokudani Snow Monkey Park. Japanmakaken gucken. Die sitzen da in einem Onsen, lassen es sich gut gehen und defäkieren ins Wasser. Da lassen wir die Badehose wieder einmal zu Hause. Unsere Nacht verbringen wir in einem netten Hostel, in dem wir zufällig noch die bisher fehlende nächste Nacht dazu buchen können. Von dort aus geht es, diesmal mit entspannterem Zeitplan, gegen späten Vormittag zu den Affen. In schöner Winterlandschaft bietet sich auch hier ein klasse Erlebnis. 2 besonders hübsche Exemplare der Spezies “Uber-Amerikaner” haben sich als Bonus noch darunter gemischt. Ich denke – ausnahmsweise – sagen hier mal Bilder mehr als Worte.

Alle Bilder zum Post: Hiroshima und Mijayima, Mt. Hakone und Nagano Snow Monkeys Picasa-Album

Big in Japan – Teil 1

Deutsche haben Urlaub an Weihnachten. Ist doch logisch. Koreaner nicht. Trotzdem haben wir uns durchgesetzt und uns freinehmen können. In Korea ist es wohl Brauch, den ersten und letzten Tag des Jahres als Abschluss/Begrüßung mit den Arbeitskollegen zu nutzen, d.h. wir sollten am 31.12. und 2.1. keinen Urlaub bekommen. Da haben wir halt verhandelt und uns darauf geeinigt, dass wir dann einen Tag eher zurückkommen und auf den 2.1. verzichten. Wir sind halt schließlich unentbehrliche Arbeiter hier und können deshalb auch mal unseren Kopf durchsetzen (wir sind ja sogar noch in der Probezeit… :) ).

Shanghai / China, Thailand, Philippinen, Taiwan, … Was haben wir nicht alles in Erwägung gezogen. Aber Uwe, clever wie er ist, sagt: warum weit weg, wenn’s um die Ecke gleich was schönes gibt? Lass uns nach Japan fahren! Kurz Klimadiagramm gecheckt, wenig Regen, kühl – im Sommer zu heiß und feucht, also: hin da!

Zusammen mit Ivan, der noch kurz gezögert hatte, aber dann danke dieser grandiosen Option doch mit eingestiegen ist, ging es also vom 22.12.2012 bis 01.01.2013 auf Tour. Wir haben uns im voraus ein wenig Stress gemacht, da wir alle nicht die Planungs-Profis sind, aber trotzdem maximal viel sehen wollten und uns dann in einem langwierigen Prozess auf unsere finale Route geeinigt: Osaka – Kyoto – Hiroshima – Hakone Nationalpark (Mt. Fuji) – Nagano (Snow Monkeys!) – Tokyo – Osaka. 2 Nächte hatten wir noch offen gelassen. Tatsächlich ist Weihnachten dort Hauptreisezeit und man kann gar nicht früh genug Hostels buchen. Das haben wir natürlich nicht ernst genommen und hatten daher selten eine große Auswahl. Mehrere Nächte in einer Stadt waren fast immer mit Umziehen verbunden. Nervig, aber alles machbar.

Um diese Rundreise erschwinglich zu machen, haben wir uns noch für den in Japan sehr populären “Japan Rail Pass” entschieden. Dieser Pass ist für Touristen gedacht und kann nur außerhalb von Japan erworben werden. Jeder, der nach Japan fährt, sollte einen haben. Einfach praktisch das Ding. Womit wir schon bei dem ersten bemerkenswerten Plus wären: das Zugsystem ist einfach fantastisch. Die Bahnen fahren oft, sind extrem pünktlich, sauber, die Bahnangestellten freundlich und kompetent, fast alle sprechen gut Englisch, … Und: der Shinkansen (ICE-Pendant) ist einfach wahnsinnig schnell und bequem. Ich würde innerhalb Japans niemals ein Flugzeug besteigen! Witziges Feature: man kann alle Sitzreihen beliebig umdrehen, d.h. nach belieben 4-er Gruppen bilden, oder halt je nach Fahrtrichtung immer vorwärts sitzen. Toll. Mit unserem Pass gehen wir einfach durch jede Kontrolle durch, zeigen kurz unseren Persil-Schein und werden mit einem freundlichen “Arigato gozaimasu!” in die nächste Station teleportiert. Auch Sitzplatzreservierungen sind inklusive und denkbar einfach. Einziges Manko: Nachts fahren keine U-Bahnen und Taxis sind hier wirklich, wirklich teuer. Einmal einsteigen: 6€. Und dann sitzt man erst.

Apropos teuer: Verwöhnt von koreanischen Preisen ist das in Japan wirklich schmerzhaft. Hier in Korea gehen wir in ein beliebiges Restaurant, bestellen uns was wir möchten und sind inklusive Trinken selten mehr als 10€ los. Eher weniger. Taxi fahren ist zu dritt meist genauso teuer, wie Busfahren. Naja, davon muss man sich lösen. Man kann in Japan locker 80€ am Tag rechnen für 3 Mahlzeiten, 1 günstige Hostelübernachtung und ein wenig Eintrittsgeld, U-Bahn-Ticket, usw. Und dann ist man schon gut damit beschäftigt, Preise zu vergleichen. Ein gutes hatte es jedoch: jetzt geht das Koreanische Geld hier noch einfacher von der Hand ;) Da wir jedoch alle 3 sehr begeistert waren von Japan, fiel es uns dann doch irgendwie nicht so schwer, ausnahmsweise mal etwas zu bluten. Muss man durch. Man lebt ja nur einmal.

Unsere erste Station war Osaka, eine extrem günstig gelegene Großstadt mit viel Nachtleben. Welches wir aber in Anbetracht unseres straffen Zeitplanes nur an Silvester nutzen wollten. Von dort aus ist man schnell in Kyoto, Nara, Kobe, Hiroshima, … Selbst Tokyo ist nicht weit. Daher haben wir hier 4 Nächte gebucht und wollten von hier aus Tagesausflüge machen. Aus dem Flughafenbus ausgestiegen, war die erste Begegnung mit den Menschen dort eine hübsche Japanerin, die uns im Vorbeigehen freundlich winkte und uns anlachte. Herzlich Willkommen! :)

Unser erster Tag startet mit einem hervorragenden Frühstück in einem kleinen Café, das uns im Hostel empfohlen wird. Frischer Duft von Kaffee aus Chemielabor-ähnlichen Apparaten und eine Handvoll Zeitung lesender alter Japaner. Super. Und: keine anderen Touries weit und breit. Wir bestellen uns ein Frühstücksset und bekommen das leckerste Toast der Welt (doppelt so dick, wie man es kennt), ein Ei, einen Hauch an Schinken und ein Gelee aus Schwarztee (?!). Der Kaffee schmeckt so wie er riecht. Fantastisch.

Osaka selber hat nicht wirklich viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten und daher ging es am Sonntag erst einmal zum Weihnachtsmann. Yodabashi Camera Store, Saturn für Erwachsene. Unvorstellbar…. Ein riesiger Elektronikmarkt. Mein lang geplanter Kauf einer Spiegelreflexkamera stand an: eine echte japanische Nikon D7000. Leider waren die Batterien leer und daher erst am nächsten Tag einsatzbereit. Aber wir hatten ja noch mehr Kameras dabei… Von dort aus ging es erst einmal zum Okonomiyaki-Essen (ein angeblich super leckerer “Pfannkuchen” aus viel Kraut und Eiern mit Majo und BBQ Sauce). Ich fand’s eklig. Die anderen mochten es.

Weiter geht’s: Das Osaka Castle sieht von außen hübsch aus, von innen ist es jedoch ein ziemlich unspektakuläres Museum mit moderner Bausubstanz, da es wie so viele andere Gebäude dann und wann komplett zerstört und wiederaufgebaut wurde. Besser nur von außen anschauen. Außerdem gibt es so ein Castle an jeder Ecke in Japan ;) Abends waren wir noch bei einem Weihnachts-Lichterfest. Das war mäßig schön (ein wenig kitschig) und sehr, sehr voll.

Am Montag ging es wieder früh los. Hostel wechseln und ab in den Zug nach Kyoto. Kyoto ist DIE Stadt für Tempel und sonstige traditionelle Sehenswürdigkeiten. Ein Weltkulturerbe nach dem anderen. Man kann hier locker mehrere Tage verbringen, aber wir wollen in der begrenzten Zeit ja noch mehr erleben, als Tempel. Also machen wir einen Tagestrip und kombinieren das mit unserer Lieblingsbeschäftigung: Fahrradfahren! Kurzum: Kyotos Sehenswürdigkeiten rund um die Stadt sind wunderschön und sollten auf keinen Fall ausgelassen werden. Wir haben uns 3 herausgepickt. Zuerst der Fushimi-Inari Schrein, ein Platz mit mehr roten Torii-Gates auf einen Haufen, als Tokyoter an Silvester im Bahnhof (naja, nicht ganz vielleicht). Nächste Station war der Kiyomizu-Tempel, ein Tempel auf Holzpfählen. Ebenfalls sehr schön anzuschauen. Was bemerkenswert ist (ich weiß nicht, ob das an der Jahreszeit lag, zu der wir da waren) – die Tempel und Schreine werden extrem gut besucht und die meisten Menschen gehen dort auch aus religiösen Gründen hin. Räucherkerzen und Kerzen, die überall brennen, verströmen eine wirklich besondere Atmosphäre. Als überzeugter Ungläubiger muss ich diesen Japanern hier lassen: das wirkt stilvoll und hat eine gewisse “Magie”. Praktizierte Religionen sind hauptsächlich Buddhismus (Tempel) und Shintoismus (Schreine). Ich werde jedoch das Gefühl nicht los: Religion ist eine clevere Art und Weise, Menschen Geld abzuknöpfen. :) Überall stehen große Spardosen, in die man Geld einwerfen muss, bevor man die Aufmerksamkeit einer Gottheit bekommen darf. Dies geschieht zumeist mit dem “Schwingen” eines großen Taus an eine Glocke und dem zweimaligen Klatschen in die Hände. Angeblich hängt der Zeitpunkt der Erfüllung von Wünschen mit der Summe des eingeworfenen Geldes zusammen. Geschickt.

Hier treffen wir außerdem auch einen am Vorabend extrem betrunkenen, aber lustigen Japaner aus unserem Hostel. Dieser hat in der Küche auf dem Fußboden geschlafen, nachdem er sich alleine viel zu viel Sake eingeschenkt hatte. Heute sah er jedoch wieder fit aus und hatte eine sympathische Begleitung dabei.

Unser nächstes Ziel war der goldene Pavillon: Kinkaku-ji. Einmal quer durch die Stadt (ja, wir hatten mal wieder die “Sport-Route” geplant) ging es dank meines Handys – Smartphones sind wirklich unendlich praktisch beim Reisen – kreuz und quer durch kleine Gassen und große Straßen, bis wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit und bei letzten Sonnenstrahlen dieses wirklich schöne Bauwerk bewundern durften. Seht selbst. Auf dem Weg dorthin haben wir die japanische Backkunst entdeckt: hier gibt es fantastisches Baguette, das unser Heimweh nach deutschen Bäckereien für eine Weile unterdrücken kann. Somit hatten wir auch endlich einen universellen günstigen Sattmacher für zwischendurch. Man muss ja sparen, nej.

Nachdem wir das Fahrrad wieder abgegeben haben, machen wir einen kurzen Aufwärmstop in einem Einkaufszentrum und sehen uns eine mitreißende koreanisch anmutende Theateraufführung an. Mit einer Frau, die LEDs im Kleid hat. Ich werd’ nicht mehr. Aber heute ist ja auch Heilig Abend – und Udo hat uns eine “Tempel-Bar” herausgesucht. “Da schenken Mönche Schnaps aus.” Also nix wie hin. Tatsächlich ein wunderschöner Ort und stilvoll beleuchtet. Aber die Bar war leer und es stellte sich heraus, dass wir es hier eher mit einem 5-Sterne-Restaurant zu tun haben, bei dem man mindestens einen Tag vorher reservieren muss. Macht nix. Schön war’s. Wir treffen sogar noch auf einen Chor, der auf der Straße Weihnachtslieder singt. Und zwar wirklich gut.

Zurück in Osaka gibt’s noch ein bis zwei Heilig-Abend-Dosenbier und Nudelsuppe aus der Tüte. Mal ein etwas anderes Weihnachtsfest.

Mehr Fotos gibts hier: https://picasaweb.google.com/103651322144296737978/OsakaKyotoUndHiroshimaADomeUndMijayima?authkey=Gv1sRgCMihrPGRrMz_bg

Dies und das im Winter

In Korea gibt es Winter. So mit Schnee und -15 Grad. Und viel Sonnenschein. Da wollte ich mal ein paar Schnappschüsse veröffentlichen.


Außerdem hatte Ivan Geburtstag. Der ist zwar irgendwie gar nicht auf dem Bild, aber dafür wir 2 und unsere beiden wilden koreanischen Arbeitskollegen bei Ivans Geburtstagsfeier. Das Essen war lecker, auch wenn es auf dem Boden serviert und von uns selber mitgebracht und zubereitet (vielleicht gerade deshalb…) wurde. VLNR: Hongcheon, Udo, Linus, Bonggun.

Ivans Geburtstag

Ivans Geburtstag

Und dann gibt es noch ein Party-Promotion Auto, die hier immer herumfahren, schreckliche Musik abspielen und versuchen, Werbung für Clubs und Bars zu machen. Ich finde, dieses Bild ist eine prima Repräsentation für Korea im allgemeinen. Und wir beide, als wir dem Auto begegneten, sind auch abgebildet.


Last but not least: Linus mit einem Schirm. Kunst am Menschen. Enjoy.

KRISS “Exercise” Day

Jeden letzten Mittwoch im Monat findet der sogenannte “KRISS Exercise Day” statt. Der Nachmittag ist frei und soll von den Mitarbeitern zum Sport treiben genutzt werden. Unser Institut wollte diesmal Wandern gehen.

Ein wenig regnerisch und kalt, machen wir uns trotzdem auf den Weg und besteigen einen kleinen Hügel im Westen Daejeons. Hier ist nicht viel spektakuläres passiert. Nach kurzer Wanderung wieder unten angekommen, gibt es erst mal eine Stärkung: Pa-jeon, unser geliebter Pfannkuchen. Und Makgeolli – ein populärer Reiswein. Woraus sollte Wein hier auch sonst gemacht werden. Reis, Reis, Reis, Reis, Reis! Schon nach dem extrem leckeren Pfannkuchen war ich eigentlich satt.

Im Anschluss ging es dann zum Abendessen: ein koreanisches Restaurant. Es gab 4 Tische und pro Tisch jeweils 2 Mal eine riesige Pfanne mit gemischten Speisen (viel Seafood, Nudeln, Fleisch, Gemüse, …) und die üblichen Beilagen. Leider keine Fotos. Nach der ersten Pfanne hatte eigentlich keiner mehr Hunger. Es war wie immer Essen im Überfluss. Dazu gab es natürlich Mekju (Bier) und Soju (20%iger Reisschaps; Reis, Reis, Reis, … ), der hier in rauen Mengen konsumiert wird. Trinken gehört hier ja zum guten Ton, daher macht es auch vor Firmenfeiern keinen halt. Schnell waren alle tierisch betrunken. Dazu kam, dass der jetzige Chef des Instituts – Dr. Lee -, den wir sehr schätzen, seinen Abschied bekundete. Er geht Ende nächsten Jahres nach Deutschland für ein Sabbatical (und soll unserer Firma helfen….). Ich glaube das fanden alle traurig und mussten noch mehr trinken.

Als wir dachten, es wäre vorbei, geht es noch in eine Karaoke-Bar (Hier genannt: Norrebang). Der sonst so bedacht und respektabel wirkende Dr. Lee allen voran. Hier wird weiter kräftig gebechert. Am Schluss schläft die Hälfte auf dem Stuhl, Dr. Lee hat riesige Taschentücher in der Nase und im Ohr stecken, der zukünftige Chef des Instituts ein Kopftuch um und alle trällern ins Mikrophon. Ich würde sagen, Udo und ich, wir waren eigentlich noch ganz gut in Form im Vergleich.

Es war Mittwoch. Donnerstag morgen blieb es bis zum Mittag erst einmal still im Institut. Wir sind ja pflichtbewusst pünktlich gekommen, aber waren damit auch die einzigen. Diese Koreaner…. Wildes Volk.

Smartphone Mania

Wie wir ja alle wissen, Südkorea ist das Land von SAMSUNG. Die Bedeutung von Samsung wird einem allerdings erst klar, wenn man hier ist. Die machen einfach alles. Staubsauger, Kühlschränke, Fahrstühle, Mikrowellen, Containerschiffe und … Smartphones.

Sicher kennt jeder das Galaxy S2, oder das Apple I-Phone. Aber wie oft habt ihr schon ein Galaxy Note gesehen? Dies ist in etwa doppelt so groß, wie ein Telefon maximal sein dürfte, ist hier aber so eine Art Goldstandard. Stets getragen in der Hand (es muss benutzt werden!), stört es auch nicht, dass es niemals in die Hosentasche passen würde. Typische Beschäftigungen sind: Kakao Talk (so etwas wie What’sApp – SMS Chat), Facebook und sinnfreie Ballerspiele (auch beliebt bei Weiblein). Man macht sich kein Bild, wie stumpf das aussieht, wenn ALLE in der U-Bahn auf ihr Smartphone starren. Nicht einmal im Restaurant macht dieser Wahnsinn halt: Man meint, Tischnachbarn würden sich gegenseitig über das Handy schreiben, um zu kommunizieren. Wahrscheinlich aber muss gerade der Endgegner aus dem Drachenspiel besiegt werden. Oder schnell noch eine Freundin über das Essen informiert werden.

Smartphones in der Seoul U-Bahn

Smartphones in der Seoul U-Bahn

Umso interessanter ist es da, wie schwierig es wird an einen Handy-Vertrag zu kommen. Halt – eine Prepaid Karte! In Deutschland gehe ich nach Aldi, mach an die Kasse und kauf Prepaid. Ich durfte hier folgendes erleben: Man bekommt einen Vertrag nur mit Koreanischem Bankaccount. OK, das lohnt eh nicht für ein Jahr. Für eine Prepaid-Karte braucht man jedoch zumindest eine Foreigner Registration Card, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatte, um sich namentlich registrieren zu lassen (?). Daher war ich auf die Hilfe und Gutmütigkeit meines Kollegen Bonggun’s angewiesen, der es auf seinen Namen registriert. Aber man braucht ja eh einen Übersetzer im Laden. Eines Nachmittags war auf der Arbeit nicht so viel zu tun und wir haben entschieden, dass wir zusammen zum Handyladen fahren. Vorher wurde angerufen und irgendetwas geklärt. Ich meinte: ist das denn weit? “Nein, nein.” Eine halbe Stunde im Auto später, der Laden. Diskussion auf Koreanisch über 10 Minuten. Dann: “Wir haben hier keine Prepaid Karten.” Aha. Ich so: Ja und nun? Diskussion auf Koreanisch über 10 Minuten. Dann: “Weiß nicht, brauchst du die Karte heute?” Ich so: Naja, nicht zwingend, aber was ändert das, wir sind doch schon unterwegs?!

Nächster Halt: die Daejeon-Zentrale des Anbieters, ein großes Hochhaus mit deren Namen drauf. Das kann klappen. (Achja, das war auch wieder “nicht weit”). “Der Manager für Prepaid-Karten hat gerade gekündigt, wir haben keinen, der dann dafür verantwortlich ist. Wir können keine Prepaid-Karten verkaufen.” Sagte die Frau, die neben 10 anderen besetzten Schaltern ihre inzwischen fragwürdige Dienstleistung anbot. Dabei hatte Bonggun auch hier vorher angerufen.

Naja, in unserem dritten Laden sollte es schließlich klappen. Es dauerte dort jedoch weitere 1.5h, die Applikation incl. der Konfiguration meines Telefons abzuwickeln. Ich erinnere kurz: eine Mobilfunk Prepaid-Karte. Kein Mittelklassewagen. Dass danach die App, die Bonggun nutzen kann, um Guthaben und Vertragsinformationen zu checken, nicht mehr auf seine eigentliche Nummer umzustellen war und damit für ihn unbrauchbar wurde, ist glaube ich jedem klar und muss nicht extra erwähnt werden.

Als wir gegen 19.30h wieder zu Hause waren, war ich mit den Nerven am Ende (ich habe allerdings nicht mal was verstanden, es konnte wieder KEINER Englisch). Trotzdem habe ich Bonggun erstmal zum Abendessen eingeladen. Er konnte ja nichts dafür. Glaube ich.